Curvy Travel: 5 Tipps, die ich mir vor meiner ersten Reise gewünscht hätte

Curvy Travel: 5 Tipps, die ich mir vor meiner ersten Reise gewünscht hätte

Reisen ist eines der schönsten Dinge, die ich kenne. Neue Orte, neue Eindrücke, neue Freiheit. Und trotzdem höre ich immer wieder von Frauen* aus unserer Community, dass sie sich vor bestimmten Momenten fürchten. Dem Moment im Flugzeug. Dem ersten Tag am Strand. Dem Blick in den Spiegel mit dem neuen Bikini an.

Ich kenne das. Ich war da. Und ich weiß auch: Es muss nicht sein.

Deshalb teile ich hier meine fünf ehrlichsten, praktischsten Tipps für entspannte Reisen als curvy Frau*. Kein Schönreden, keine leeren Durchhalteparolen – sondern echte Hilfe für echte Situationen.


1. Wähle dein Reiseziel weise – und nutze die Community

Bevor du buchst, lohnt es sich, kurz innezuhalten und zu fragen: Wie wird es sich dort anfühlen? Nicht nur wegen des Wetters oder der Sehenswürdigkeiten – sondern wegen des Raums, den du als curvy Frau dort bekommst.

Die beste Quelle dafür? Andere Reisende wie du. Auf plussizetraveltoo.com gibt es eine interaktive Weltkarte, auf der Curvy-Reisende ihre echten Erfahrungen nach Land teilen. Wirst du angestarrt? Gibt es breite Strandliegen? Wie ist die lokale Körperkultur? Das sind Fragen, die kein Reisemagazin beantwortet – aber diese Community schon.

Darüber hinaus ein paar ergänzende Gedanken: Länder mit einer anderen Beziehung zu Kurven – wie Jamaika, Teile Afrikas oder Skandinavien mit seiner offenen Saunakultur – können sich grundlegend anders anfühlen. Kein Anstarren, kein ungebetener Kommentar. Das kann meiner eigenen Erfahrung nach den ganzen Urlaub verändern. Außerdem kann es ggf. helfen das Reiseziel auch hinsichtlich Barrierefreiheit anzuschauen – also z.B. wie bergig ist es und sind es Altbauten mit vielen Stufen. Es ist gut vorab zu wissen worauf du dich einlässt.


2. Reisen in Gesellschaft – Curvy Gruppenreisen, die wirklich passen

Eine der schönsten Entdeckungen der letzten Jahre: Es gibt inzwischen richtig gute Reiseanbieter, die speziell für Plus-Size-Reisende konzipiert sind. Keine Alibi-Inklusion, sondern von Anfang an mitgedacht – von der Ausrüstung bis zur Aktivitätsplanung.

NAKOA Adventure (nakoaadventure.com) organisiert Abenteuerreisen für Plus-Size-Reisende ab US-Größe 14+: Surfen, Wandern, Klettern, SUP. Alle Aktivitäten werden auf Zugänglichkeit geprüft, die Ausrüstung ist auf größere Körper ausgelegt. 2025 wurden sie als eines von 16 Brands für das Embark-Programm von REI ausgewählt – ein echtes Qualitätsmerkmal.

WHOA plus (whoatravel.com/whoa-plus) entstand aus einem besonderen Projekt: 2019 bestieg eine Gruppe Plus-Size-Frauen gemeinsam den Kilimanjaro – die sogenannte Curvy Kili Crew. Die Begeisterung danach war so groß, dass daraus ein ganzes Reiseformat wurde. Abenteuerreisen für Frauen mit größeren Körpern, langsameres Tempo, starke Gemeinschaft.

Fat Girls Traveling (fatgirlstraveling.com) bietet kuratierte Gruppenreisen zu Zielen wie Japan, Thailand, Island und Mexiko – mit lokalem Guide, Boutique-Hotels und einem konsequent body-positiven Ansatz.

Curvy Ventures (curvyventures.com) ist ein US-amerikanischer Anbieter, der jedes Detail seiner Kreuzfahrten und Touren auf Plus-Size-Reisende abstimmt – von der Stuhlbreite beim Abendessen bis zum Boarding-Ablauf.

Und wenn du lieber unabhängig reist – kein Problem! Diese Anbieter zeigen aber eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Inklusion wirklich ernst genommen wird.


3. Gut vorbereitet im Flieger – damit du entspannt ankommst

Das Flugzeug ist für viele der unangenehmste Teil der Reise. Die engen Sitze, die Nähe zu Fremden, das Gefühl, zu viel Platz einzunehmen. Ich habe gelernt: Mit der richtigen Vorbereitung lässt sich das deutlich entschärfen.

Sitzbreite vorab checken. Nicht alle Flugzeuge sind gleich – und der Unterschied von ein bis zwei Zentimetern Sitzbreite kann den ganzen Flug verändern. Auf seatguru.com kannst du Airline und Flugnummer eingeben und siehst genau, welcher Sitzplatz wie breit ist – inklusive Kommentare anderer Passagiere. Airbus-Maschinen wie der A320 haben in der Regel etwas breitere Sitze als die Boeing 737.

Immer den Gangplatz wählen. Mehr Bewegungsfreiheit, ein Bein ausstrecken können, niemanden überklettern müssen – das klingt nach Kleinigkeit, macht aber den ganzen Flug angenehmer.

Notausgangsplätze vermeiden. Viele buchen sie wegen der Beinfreiheit. Aber: Die Armlehnen am Notausgang sind fest und lassen sich nicht hochklappen. Wer an der Hüfte mehr Platz braucht, fühlt sich dort tatsächlich enger als woanders.

Und es gibt noch einen anderen Grund, der mir persönlich sehr nahgegangen ist. Eine deutsche Plus-Size-Content-Creatorin berichtete in ihrer Community davon, dass sie kurz vor dem Abflug vom Flugpersonal diskret gebeten wurde, ihren Notausgangsplatz zu räumen und umgesetzt wurde. Ein Grund wurde ihr nicht direkt genannt. Sie vermutete, dass es an ihrem Körperumfang lag. Das Personal war höflich, es gab keine Szene – aber das macht solche Momente wohl nicht leichter. Das Gefühl der Creatorin können wir uns wohl alle bestens vorstellen, weil wir es in der ein oder anderen Form wohl auch schon einmal erlebt haben.


4. Dein Reise-Kit: Gurtverlängerung und Kompressionssocken

Zwei kleine Dinge, die ich auf keiner Reise mehr missen möchte.

Die eigene Gurtverlängerung. Das ist mein absolutes No-Brainer-Must-Have – und ich wünschte, ich hätte das früher gewusst. Im Flugzeug nach einer Verlängerung fragen zu müssen, vor anderen Passagieren, mit dem Blick der Stewardess: Das war immer einer der Momente, in denen ich mich am liebsten unsichtbar gemacht hätte. Seit ich meine eigene Gurtverlängerung dabei habe, ist das Geschichte. Einfach anlegen, fertig. Kein Erklären, kein Warten, kein Unbehagen. Die meisten Verlängerungen kosten unter 10 € und passen zu den gängigen Verschlüssen bei Lufthansa, Condor, TUI und Co.

Kompressionssocken für Langstreckenflüge. Klingt nach dem letzten Urlaubsoutfit, das man sich vorstellt – ich weiß. Aber ehrlich: Bei langen Flügen schwellen Beine und Knöchel oft an, die Durchblutung verlangsamt sich, und nach der Landung fühlen sich die Beine schwer und müde an. Kompressionssocken wirken dem entgegen, beugen Thrombosen vor und sorgen dafür, dass du entspannt ankommst – statt als erstes die Beine hochlegen zu müssen. Es gibt sie inzwischen in schönen Designs und großen Größen. Einmal ausprobiert, immer dabei.


5. Das wichtigste Gepäckstück: dein Mindset

Ich möchte mit dem ehrlichsten Tipp enden – und gleichzeitig mit dem, der am schwersten zu packen ist.

Urlaub ist Urlaub. Das klingt banal, aber ich meine es wirklich: Du hast dir diese Zeit verdient. Du hast gebucht, du bist geflogen, du bist da. Und was du in dieser Zeit trägst, wie du aussiehst, wie viel Platz du einnimmst – das spielt für niemanden dort eine so große Rolle, wie wir es in unserem Kopf machen.

Was ich auf Reisen immer wieder erlebe: Wenn ich entspannt bin, sind es die anderen auch. Wenn ich mich mit Leichtigkeit an den Strand lege, schaut kaum jemand. Wenn ich in einem Restaurant selbstverständlich Platz nehme und die Big Portion bestelle, werde ich selbstverständlich bedient. Das Auge sucht Unsicherheit, keine Kurven.

Und ja, es kann Momente geben, in denen ein Blick oder ein Kommentar wehtut. Das ist real, und ich will es nicht kleinreden. Aber ich habe gelernt, dass diese Momente seltener sind, als die Angst davor vermuten lässt. Und dass das, was ich mir im Vorfeld ausmale – das Angestarrtwerden, das Kommentiert-werden, das Nicht-dazugehören – fast nie so eintritt.

Reisen verändert etwas in einem. Es zeigt dir, wie groß die Welt ist. Wie viele verschiedene Körper es gibt, die sich bewegen, schwimmen, tanzen, leben. Wie viele Menschen dir mit echtem Interesse begegnen, wenn du ihnen mit echtem Interesse begegnest. Und vergiss nicht anderes Land, andere Kultur und damit auch anderer Umgang mit Körperformen und andere Schönheitsideale.

Pack das Mindset ein. Es ist das Leichteste im Koffer – und macht die meiste Differenz.


Ich wünsche dir eine Reise, auf der du dich genauso fühlst, wie du es verdienst: frei, leicht und ganz du selbst. 🌊

💌 Annika

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